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Willkommen

auf der Homepage des Heimatvereins Rückmarsdorf e. V.

Ausstellungseröffnung im Wasserturm am 7.7.24 um 14 Uhr

Das neue Rückmarsdorf-Buch
aus dem Inhalt

Wie unser Dorf zu seinem Namen gekommen ist
 Vom Wirken des Grafen Wiprecht von Groitzsch

Die Bettelspende zum Seelenheil eines Fräuleins von Brandenstein
    Ursache, Verlauf und Ende des Spendefests

Fragile Fakten
   Rätsel um den Rückmarsdorfer Tetzelkasten

Die einzigartige Stockmühle am Zschampert
   Neue Erkenntnissen zur Alten Teichmühle von 1704

Meine Schule
    Von Schulen neueren und älteren Datums

Mosaiksteine zur Vermessung der Erde
    Die Bedeutung der Leipziger Triangulierungssäulen

Zigarren Marke »Stellwerk«
     Über die Eisenbahn und eine Zigarrendreherin

Der Turm auf dem Berg der 100 Türme
     Das Rückmarsdorfer Wahrzeichen, der Wasserturm

Wir machen Musik
     Vom Harmoniumbau in Rückmarsdorf 1915–1952

Ausdruck amtlicher Würde
     Unser Art-Déco-Rathaus mit Gefängniszellen

Als die Bomben fielen
      Luftkrieg in den Jahren 1943–1945

Der japanische Prinz
      Die kurze Kriegs-Romanze eines fremden Musikers

»War is over!«
       Der 17. April 1945 in Rückmarsdorf und die Zeit                     kurz danach

Die sich um die Heimat kümmern
     Vom Sammeln und Pflegen großer und kleiner Dinge

Mein mythischer Stein
      Die Wiederentdeckung unseres Menhirs

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Seume-Stube im Heimatmuseum

Artikel des Monats

Die Straßennamen in Rückmarsdorf Teil 2

Die Namen der Straßen von Rückmarsdorf erweisen sich bei genauerer Betrachtung als aufschlussreiche Dokumente zur Entwicklung des Ortes, sie bewahren und berichten Wissenswertes aus seiner Geschichte, aus der Natur und von den Menschen, die hier gelebt und gewirkt haben.

Aus „Rückmarsdorf – Straßennamen erzählen Vergangenheit und Gegenwart eines sächsischen Dorfes“, Heimatverein Rückmarsdorf, 2006

An der Friedenseiche

Im Bereich der ehemaligen alten Dorfanlage verbindet die Straße An der Friedenseiche die Alte Dorfstraße und die Brandensteinstraße miteinander, mit ihnen ein Dreieck um-schließend, auf dem sich das Pfarrhaus, das Feuerwehrdepot, die Schulgebäude und einige Siedlungshäuser befinden. Dem Feuerwehrdepot gegenüber stand der Bauernhof der Schwester des Dichters Johann Gottfried Seume, Johanna Regina Oehme, die hier von 1814 bis 1823 mit ihrer Familie wohnte. Im Wohnhaus dieses Anwesens, das den Oehmes bis um 1875 gehörte, existierte ein „Krämerladen“. Nach 1871 erfolgte dessen Umbau zu einer Dorfgaststätte, die man „Zur Friedenseiche“ nannte und die zusammen mit der Bauernwirtschaft verkauft wurde. Die Fleischerei wurde um 1928, die Bauern-wirtschaft um 1960 und die Gaststätte 1992 geschlossen.

An der Teichmühle

Zschampert heißt der Bach, der über die weiteste Strecke seines Laufs die westliche Grenze der Stadt Leipzig zu Markranstädt und Schkeuditz bildet. Er mündet im Domholz, nahe Schlobachs Hof in die Luppe. Als sein Wasserstrom in früheren Zeiten noch reich-licher floss, kam ihm noch eine ökologisch bedeutsame Aufgabe zu: Er diente der Energie-gewinnung für den Antrieb einer Wassermühle, der damals so genannten „Teichmühle zu Rückmarsdorf“. Eine kleine, von der Brandensteinstraße aus bergab zur Mühle und ins Zschamperttal führende Straße wurde deshalb früher Mühlweg genannt und heißt seit 2001 „An der Teichmühle“. Auf der rechten Seite steht seit 1704 ein Gebäude, in dem der Müller wohnte und in dem sich anfangs auch das Kornmahlwerk befand. Das schmale Wohnhaus des Müllers diente ab 1930 in zwei Stockwerken verschiedenen Familien als Unterkunft. 1998 erhielt es auf seiner Nordseite einen fast gleichgroßen Anbau, der ebenfalls zwei-stöckig mit dem Altbau zusammen das Domizil für das Heimatmuseum Rückmarsdorf bildet, in dem in 6 Räumen Ausstellungen zur Ortsgeschichte mit rund 6.000 Exponaten betrachtet werden können.

Am 16. Juni 1704 kaufte ein Hans Troltzsch von der Gemeinde Rückmarsdorf einen Bau-platz für eine Wassermühle, 30 Ellen lang und 18 Ellen breit. Er erhielt auch von der Gemeinde das Recht zugesprochen, einen Wassergraben vom oberen Zschampert nach der Mühle und von dort wieder zum Bach anzulegen. Außerdem darf Troltzsch „aus dem kleinen Gemeinde-Teichlein Wasser entnehmen“. Deshalb führte die Mühle auch den Namen „Teichmühle“. Groß kann die ganze Mühlanlage nicht gewesen sein, denn der Platz entsprach nach dem preußischen Ellenmaß nicht mehr als 12x20m. Überliefert ist auch, die Wasserzuführung betreffend: „So ist bewilligt worden ein Graben, das Wasser aus dem Schampert nach Anlegung der Waage auff die Mühle zu bringen und unter der Mühle solches wieder in den Schampertbach und unter die allda so genannten Kohl-gärten einzuweisen.“ Im Keller des einstigen Müllerwohnhauses, ist an einer mit Ziegeln gemauerten tunnelartigen Kanalführung und außerhalb des Hauses an einem Fundament-teil die Wasserführung für das horizontal gelagerte Mühlrad noch heute erkennbar. An einer Stelle eines Vertrags vom 2. März 1763 heißt es: „Die Obstbäume auf dem Teich-damm sollen der Müller und seine Nach-kommen behalten und, wenn sie eingehen, andere an deren Stelle setzen. Doch darf der Müller das Fleckgen oder den Teichdamm bis an den Mahlstein weder verzäunen noch zumachen, damit die Gemeinde ihren Gang (den Weg nach Frankenheim südlich des Mühlgrundstücks) und wenn selbige den Mühl-teich befischt, behalte.“ Mit „Mahlstein“, der allerdings ein „Malstein“ ist, war ein Menhir, ein Kultstein, gemeint, der als solcher um 1960 dort wiederentdeckt wurde und heute im Museums-garten steht. Die ursprüngliche Bedeutung des Malsteines aus der Steinzeit als heidnisches Kult-objekt war den Rückmarsdorfer Bewohnern um 1763 offenbar nicht bekannt, sonst hätte ihn der Pfarrer, möglicherweise beseitigen lassen. So aber diente der Stein am Wege nach Frankenheim über 250 Jahre als Teil der Brückeneinfassung für den Steg über den 1704 angelegten Mühlgraben. Der Mühlgraben führte von Lindennaundorf kommend in gleicher Richtung wie der Bach und mündete in den Mühlteich, der das Reservoir für eine gleichmäßig zum Mühlrad abfließende Wassermenge bildete und vom Mühlhaus aus in den Zschampert zurückfloss. Der nach etwa 220 Nutzungsjahren nicht mehr erforderliche Mühlteich wurde zugefüllt, Bewohner des angrenzenden Hauses richteten darauf ihre Gärten ein, in seinem Nordteil ist er heute Parkplatz. Da bereits im 19. Jh. der Wasserzufluss für den Betrieb der Teichmühle zu gering geworden war, errich-tete man um 1830 zusätzlich auf dem Wachberg in 135m Höhe eine Windmühle. Die Windmühle stand etwa 50m vom Wasserturm entfernt und wurde nach dem Vordringen elektrisch betriebener Mahlwerke 1931 abgerissen. Einzelne Geräte der alten Mühlen-technik, auch eine Balkenwaage, ein Mühlstein und andere Gegenstände sowie die Über-eignungsurkunde von 1704 sind im Heimatmuseum An der Teichmühle aufbewahrt, in dessen Keller auch die Reste des Wasserkanals zum Mühlrad betrachtet werden können.

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